Orchestra POSTICUM Iuventutis Internationalis - Orchester - de

"So sah Gott die babylonische Sprachverwirrung und hatte Mitleid mit den Menschen.
Nun hat er ihnen eine gemeinsame Sprache gegeben – die Musik."

János Fürst ungarischer Dirigent


Auf der Terasse des Posticum in Oradea versuchen sich ungarische und rumänische Schülerinnen und Schüler – da sie die Sprache des Anderen nicht beherrschen – mit Händen und Füssen zu verständigen, Offenheit, Ehre und Interesse ausstrahlend. Sie spüren und wissen, dass sie etwas Gemeinsames in sich haben, das sich nicht einmal dann formulieren liesse, wenn sie miteinander sprechen könnten, da man dieses Gemeinsame erleben und erfahren, aber nicht aussprechen kann.

Schülerinnen und Schüler aus Szeged (Ungarn) und Oradea (Rumänien) haben früher jedes Jahr, nach dem Beginn der Schule ein Konzert in der Kapelle des Posticum gegeben. Aus ihren Erfahrungen wurde die Idee erschaffen, dass man dieses befreiende Gemeinschaftsgefühl europaweit verbreitet. Deshalb hat im 2009 – im 250sten Jubiläumsjahr nach dem Tod von G.F. Händel und 200sten Jubiläumsjahr nach dem Tod von J. Haydn – die Musikschule „Vántus István” der Universität Szeged und der Verein „Posticum – Movimentum Iuventutis Chrisitianae” ein internationales Jugendorchester ins Leben gerufen und mit ihm die erste Tournee in mehreren Ländern organisiert. Das Orchester überschreitet die nationalen, kulturellen und religiösen Grenzen, die historischen Fixierungen und jahrhundertlangen Beleidigungen. Es beweist, dass es trotz der alltäglichen (häufig künstlich angestifteten) Feindseligkeiten, Unruhe und dem Zwiespalt im dieser babylonischen Verwirrung eine gemeinsame Sprache gibt, durch welche wir mit einander kommunizieren können und die Dimension unseres Lebens suchen, wo diese Sprache – die Musik – geboren wird.

Der Zusammenruf

Das Projekt läuft in einem dreijährigen Zyklus. Die Gründer rufen einmal pro Jahr das Orchester zusammen. Die künstlerische Leitung übernimmt Petr Zejfart. Er verkörpert selbst die Grenzenlosigkeit der Orchesters, da er in Prag geboren wurde und zur Zeit Professor am Konservatorium „Arrigo Boito” in Parma ist. Er beurteilt das Dossier der Bewerbenden und nach einer persönlichen Anhörung über ihre Aufnahme ins Orchester enstscheidet. Die nun ausgewählten Schülerinnen und Schüler werden ein Woche lang im September unter seiner Leitung im Posticum probieren und fahren anschliessend auf eine internationale Tournee. Aktualitäten

Auswahlkriterien

Die Bewerbenden müssen ein klassisches Musikinstrument beherrschen können, ehrliche Zuwendung gegenüber Musik fühlen, nicht älter als 20 Jahre sein, mindestens Grundkenntnisse in Englisch und/oder Italienisch haben, offen, diszipliniert und zielorientiert sein. Der Dirigent wählt jährlich eine neue Solistin bzw. einen neuen Solisten aus, um das Orchester während der Tournee zu begleiten. Die ausgewählten Schülerinnen und Schüler müssen sich finanziell in den Kosten der einwöchigen Ausbildung und der Tournee beteiligen (mit einer Summe von 140 EURO pro Person). Die Unterkunft, Verpflegung und die weiteren Kosten sind durch die Unterstützungen der Sponsoren gedeckt.

Langfristige Zusammenarbeit: Talente zu fördern

Die Gründer möchten die begabten Schülerinnen und Schüler auch ausserhalb des Rahmens dieser Bildung und Auftrittsreihe unterstützen, z.B. durch Stipendien, um eine, auf ihr Talent zugeschnittene künstlerische Leitung oder Weiterbildung geniessen zu können (Privatstunden bei international anerkannten Musiker). Für diejenigen Schülerinnen und Schüler, die während des dreijährigen Zyklus aufgenommen werden und sich sowohl künstlerisch wie auch menschlich auszeichnen, wird der Dirigent eine kleine, eigenständige Kapelle mit dem Namen „La terza finestra” („Das dritte Fenster”) gründen.

„La terza finestra”

Diejenigen, für die "das dritte Fenster" geöffnet wird, werden in die Dimension, in der die Musik geboren wird, einblicken können. Die Mitglieder dieser Kapelle können kostenlos an die Weiterbildung teilnehmen, solange sie noch kein Abschlussdiplom erhalten haben. Sie gelten als feste Mitglieder und sie können ein Honorar für die, vom Verein organisierten Auftritten verlangen. Sowohl die Musikerinnen/Musiker, wie auch die Solistinnen/Solisten werden immer wieder ins Orchester eingeladen. Wenn gewünscht, fördern die Gründer auch ihre künstlerische Laufbahn. Verlangt wird die Identifikation mit den Grundideen des Orchesters, lebhafte Kontaktpflege mit ihm, beispielhaftes Benehmen, Hilfeleistung für die jüngeren Orchestermitglieder und neue, talentierte Musikerinnen und Musiker zu finden und – wenn möglich – das Entgegennehmen der Einladungen zu den Veranstaltungen.

Aufruf zur Teilnahme

Die zwei Gründerorganisationen sind offen gegenüber weiteren Partnerorganisationen, denen die Förderung begabter Jugendlicher am Herzen liegt und diese als eine Investition in die Zukunft sehen. Die Europäische Union baut die wirtschaftlichen und politischen Grenzen ab, andere Grenzen zwischen Kulturen, Nationen oder Religionen werden aber immer sichtbarer. Die Musik ist eines der Mittel, die trotz aller Zerteilung echte Einheit, Beschwichtigung und eine gemeinsame Sprache schaffen kann. Deshalb möchten die Gründer, dass mithilfe der Musik immer mehr Leute ein Gemeinschaftsgefühl erleben können, weil „ohne Erlebnis keine Kunst es gibt” (János Ferencsik, ungarischer Dirigent).